Nationalfeiertag

Die Reenactment-Gruppe „Alte DSM“, die Alina Schmuch & Florian Haag in der Videoinstallation „Feldgrau“ porträtierten, reiste zum französischen Nationalfeiertag am 14. Juli 2014 nach Paris. Darüber verfassten sie folgenden Bericht.

Die "Alte DSM" tritt nach dem WM-Finale an

Die “Alte DSM” tritt nach dem WM-Finale an

Ankunft Sonntag 13. Juli 2014 um 06:00 in den Tuilerien-Gärten in Paris. Wir hatten uns gegen 01:00 auf der „Goldenen Bremm“ bei Saarbrücken getroffen und fuhren von dort im Konvoi nach Paris. Dort wurden uns Plätze zugewiesen, wo wir unser Zeltlager (historische Zelte) aufschlugen. Der Himmel hatte kurz ein Einsehen und ließ uns unsere Zelte aufbauen und unser Zeug verstauen, bevor es zum Wolkenbruch kam. Den ganzen Tag regnete es im Wechsel mit starker Sonne, was unsere Laune aber nicht im Mindesten vermieste. Wir begrüßten dann die übrigen Darsteller aus Frankreich, Italien, Polen und Rumänien. Den einen und anderen kannte man bereits von anderen früheren Veranstaltungen. Wir erhielten dann die Information, dass am Folgetag der französische Präsident – auf dessen Wunsch hin wir ja 3 Wochen vor der Veranstaltung eingeladen worden waren – gegen Abend vorbeischauen wolle.

Daraufhin begannen wir zu exerzieren – jeder Handgriff sollte sitzen – getreu dem alten Exerzierreglement aus der Kaiserzeit. Wenn wir schon deutsche „Landser“ aus dieser Zeit darstellen, dann korrekt! Es wurde zuerst in der Gesamtheit und dann in kleinen Gruppen exerziert, als es plötzlich hieß „eine höher gestellte Persönlichkeit“ werde jetzt das Biwak besuchen (etwa 13:00). In aller Eile wurde „angetreten“ und da kam auch schon der französische Verteidigungsminister Le Drian, begleitet vom Militärgouverneur von Paris, General Charpentier. Er wurde von uns mit militärischen Ehren empfangen – jeder Griff saß, jedes Kommando passte, sodass beide Herren tief beeindruckt waren und uns zu unserer Darstellung herzlichst gratulierten.

Der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian besucht das 'Biwak' der 'Alten DSM'

Der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian besucht das ‘Biwak’ der “Alten DSM”

Innerhalb der nächsten Stunde kamen noch mehrere Generäle, denen wir gleiches widerfahren ließen. Schließlich gegen 17:00h war dann plötzlich die Aufregung groß – der für den Folgetag vorgesehene Besuch des Präsidenten war um einen Tag vorverlegt worden (!) – und plötzlich stand er vor uns: le Président de la République Française Francois Hollande. Unser „Ranghöchster“ begrüßte Monsieur Hollande und präsentierte ihm unsere Darstellungsgruppe „Alte DSM“ – nie zuvor saß jeder Griff so perfekt wie am 13.Juli 2013 um inzwischen 17:15 – nie zuvor klappte unser dreifaches „Hurra“ derart perfekt! Der Präsident honorierte unseren Gruß mit einem anerkennenden Lächeln – er nahm unsere Ehrenformation ab und freute sich ganz offensichtlich über uns und seinen Einfall uns über seinen Berater Denis Juanola, eingeladen zu haben. Bevor er ging, verabschiedete er sich von einigen von uns mit Handschlag. Ein großer Moment für uns – und die deutsch-französische Freundschaft. Nachdem sich dann noch viele Besucher durch das Biwak zogen, der Tag sich dem Ende nahte und man uns fürstlich bewirtet hatte, überraschte man uns damit, dass man speziell für die deutschen Darsteller Plätze beim „Public Viewing“, mitten in Paris in einem eigens dafür aufgestellten Zelt, reserviert hatte, wo wir dann in „feldgrau“ auf Bitte des Gastwirtes die deutsche Nationalhymne sangen und das WM-Endspiel verfolgen durften. Nach dem Spiel gratulierte uns – gefühlt – halb Paris zur Fußball-WM – auch auf dem Rückweg in die Tuilerien.

Am Montag, 14. Juli 2014, dem französischen Nationalfeiertag, wurden erst noch einige Drehs für das französische TV gemacht, dann ab 12:00 mittags konnten wir das legendäre „Défilé“ auf den Champs Elysées – die jährliche Militärparade mit tausenden von Uniformierten und der legendären Flugshow der französischen Luftwaffe. Kurz vor 14:00 gingen alle Darsteller an ihre Plätze, denn ab 14:00 war das Lager offen für Besucher und mit einem Schlag waren plötzlich zehntausende von Besuchern um uns herum(!).

Ein Blick auf den Eifelturm

Ein Blick auf den Eiffelturm

Nun waren Französischkenntnisse gefragt – man fragte uns wo wir herkämen, man wollte mit uns fotografiert werden, man redete mit uns, man fand es toll, dass wir da waren und wir genossen das „Bad in der Menge“. Wir wurden von Reportern interviewt und fotografiert, das nahm kein Ende. Geplant war ein Lagerabbau um 18:00 – gegen 20:00 ließ die Flut der Besucher etwas nach, sodass einige von uns unsere Auto herbeiholen und in den Tuilerien parken konnten. nach und nach brachen wir dann unsere Zelte ab. Jeder der Darsteller erhielt dann noch ein Merci unseres Mentors Denis Juanola, der uns nochmals die Grüße des Präsidenten übermittelte und uns das Versprechen abnahm, auch künftig für ähnlich gelagerte Gedenkveranstaltungen parat zu sein. Dann erhielt jeder einen Händedruck und einen wunderschönen Anstecker zum „Centenaire 1914-18“. Kurz nach 22:30h ging es dann auf die Rückreise, sodass wir – kurze Pausen mit eingerechnet – am Dienstag früh alle wohlbehalten wieder zuhause waren. Zwei strapaziöse, aber unvergessliche Tage lagen hinter uns und viele Tage der „amitié franco-allemande“ liegen vor uns.

Ein Kommentar zu “Nationalfeiertag”

  1. Michael Pfahler schrieb …

    Nach dem unvergesslichen Erlebnis in Paris wraen wir zu einer Reenactmentdarstellung auf dem La Chapelotte in den Vogesen und legten dort zusammen mit unseren französischen Kameraden am Gefallenendenkmal in Vexaincourt einen Kranz nieder. Hunderte von Menschen säumten die Straßen und den Platz dort und wir besuchten gemeinsam einen Gottesdienst und wurden vom Bürgermeister und Politikern empfangen. Als Clou wurden wir für das Jahr 2016 nach Verdun zu einer ähnlichen Veranstaltung, wie in Paris eingeladen (!) – Wir sehen darin eine Bestätigung unserer völkerverständigenden Arbeit gegen das Vergessen des Ersten Weltkriegs.
    MP
    http://www.altedsm.de

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