Ein Interview mit Hypermorgen

Das Forschungslabor Hypermorgen präsentiert während des Rahmenprogramms Gender und Krieg am 23. Mai seine Untersuchungen zur Rolle der Frau in der Armee der Zukunft. Wir stellten ihnen ein paar Fragen.

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Was ist Hypermorgen?

Hypermorgen ist ein interdisziplinäres Forschungslabor für Zukünfte. Wir beraten große und mittelständische Organisationen (z.B. VW, EMC, radical media) in langfristigen Zukunftsfragen.

Gibt es eine große Auswahl, methodisch an Zukunftsforschung heranzugehen?

Zukunftsforschung wurde zur Zeit des kalten Krieges geboren. Amerikanische Geheimdienste versuchten damals vorauszusehen, was der Gegner plante, um die eigene Strategie entsprechend anzupassen. Dazu gründeten sie die bekannte RAND-Corporation – ein interdisziplinärer Think Tank, dem John von Neuman, Herman Kahn und viele Nobelpreisträger angehörten. Ihre Ziele waren:

• Herauszufinden, ob man etwas über die Zukunft wissen kann.

• Herauszufinden, wie man etwas über die Zukunft wissen kann.

Ergebnis dieser Forschung waren einige Methoden, mit denen sich die Vielzahl möglicher zukünftiger Entwicklungen auf die wahrscheinlichen oder wünschenswerten Zukünfte reduzieren lässt, z.B. Delphi, Szenariomethode, Systemanalysen. Diese Methoden wurden seitdem nahezu unverändert (aber erfolgreich) in planenden Abteilungen von Unternehmen und Institutionen eingesetzt.

Mit dem Beginn des digitalen Zeitalters hat die Methodenforschung dann endlich wieder an Fahrt aufgenommen. Prediction Markets, bei denen die Teilnehmer wie an der Börse auf Vorhersagen wetten und Predictive Analytics, womit sich anhand von Zeitreihenanalysen das Kaufverhalten vorhersagen lässt, sind aktuelle Beispiele.  Zudem entstehen immer wieder Start-Ups, welche versuchen, die klassischen Methoden zu aktualisieren. Die meisten der neuen Programme und Plattformen berücksichtigen aber leider entweder nicht die Möglichkeiten moderner Kommunikationstechnologien oder haben keine wissenschaftliche Fundierung. Auf dem Gebiet gibt es also noch einiges zu tun.

Gibt es „unvorhersehbare Faktoren“ oder eine Methode, diese zu erfassen?

Unvorhersehbares kann ja per Definition nicht vorhergesehen werden.

Es gibt jedoch Entwicklungen, deren Eintrittswahrscheinlichkeit bzw. Verlauf man heute schon begrenzt vorhersehen kann, die vor Jahrzehnten noch als unvorhersehbar galten. Mit besseren Methoden werden bessere Vorhersagen möglich, mit aktuellen Methoden wie agentenbasierter Simulation lassen sich sogar Entwicklungen eines Systems vorhersagen, die erst infolge des Zusammenspiels seiner Elemente entstehen.

Dann gibt es auch noch sogenannte WildCards. Das sind Entwicklungen mit gravierenden Auswirkungen, die zwar nicht unvorhersehbar, aber nach aktueller Einschätzung sehr unwahrscheinlich sind. Ein historisches Beispiel dafür wäre der Fall der Mauer.

Im Allgemeinen ist es für viele Unternehmen alleine hilfreich, vorhersehbare Ereignisse und Entwicklungen einzugrenzen und von Unvorhersehbarem zu trennen.

Welche Rolle spielt Gender in der Zukunft des Krieges? oder: Macht es Sinn, über Gender und Krieg zu diskutieren? 

Es ist wichtig, darüber zu diskutieren, da es sich um ein Spannungsfeld handelt, in dem viele Probleme ungeklärt, vielleicht sogar unüberwindbar sind. Die große Zahl der Einflussfaktoren aus den Bereichen Soziales, Technik, Politik und Ökonomie macht Vorhersagen schwer. Sinnvoller als eine Betrachtung wahrscheinlicher Entwicklungen erscheint daher die Betrachtung der wünschenswerten zukünftigen Entwicklungen.

Wie sehr beeinflusst die Vergangenheit die Zukunft?

Es gibt sogenannte Pfadabhängigkeiten. In Europa haben wir z.B. Städte, die wenig Platz für Straßenverbreiterungen bieten, das muss bei der Stadtplanung berücksichtigt werden. Es gibt Zukunftsforscher, die ganz polemisch sagen, man müsste mindestens doppelt so weit nach hinten schauen wie man nach vorne sehen will. Ich hingegen finde die Analyse des Ist-Zustandes wesentlich wichtiger.

Kann man mit Hilfe der Zukunftsforschung den Frieden beeinflussen?

Sicher! Zukunftsforschung kann zumindest dabei helfen, wünschenswerte und nicht wünschenswerte Entwicklungen und deren Einflussfaktoren zu identifizieren. Auf deren Grundlage können visuell und narrativ erfahrbare Zukunftsbilder entwickelt werden.

Diese Zukunftsbilder helfen dabei wünschenswerte und nicht-wünschenswerte Zukünfte und ihre möglichen Überschneidungen mit wahrscheinlichen Zukünften erfahrbar zu machen. Sie sollen Diskussionen zu Folgen, Risiken und Chancen künftiger Entwicklungen provozieren. Langfristig können daraus dann self-fulfilling oder self-inhibiting prophecies werden.

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