Gesucht

Familiengeschichten, urbane Legenden und die geheime Basis der kaiserlichen Tropenkrieger

Wer eine Weile in Karlsruhe lebt, wird früher oder später vom hiesigen Ausbildungsplatz für die sogenannte Schutztruppe hören, die aufgrund der für Deutschland extremen Temperaturen nahe Karlsruhe für den Einsatz in den Tropen vorbereitet wurde. Nach so manchem Karlsruher Sommer erscheint dies ausgesprochen plausibel, und auch ich habe an besonders unerträglichen Hitzetagen diese Geschichte gerne weitererzählt; schließlich steht sie mittlerweile auch in Wikipedia. Schwieriger wird es, wenn wir uns auf die Suche nach einem tatsächlichen Ort machen; die staatlichen Archive und Militärmuseen wissen von nichts, und auch der Autor, der den Abschnitt in Wikipedia einfügte, hörte davon, damals, von seinem Großvater. Schriftliche Quellen: Leider keine. Ein Militärenthusiast, den ich darauf ansprach, mochte sich das Ganze nicht recht vorstellen: zu den Schutztruppen meldete sich freiwillig, wer schon lange als Soldat ausgebildet war, und in Freiburg wäre es ohnehin heißer als in Karlsruhe. Eine Legende also, die die regionale Identität von Karlsruhe als dem heißesten Ort Deutschlands zu einem (Fieber-)Traum des Tropenkriegs weiterspinnt, oder ein Fünkchen Wahrheit, das sich seit Generationen durch Weitererzählen erhalten hatte, ohne dass es sich nunmehr durch Dokumente beweisen ließe?

Zumindest 1958 in Karlsruhe gesehen: Ein Veteran der Schutztruppe lässt sich bei einem Treffen des Afrika-Korps Feuer geben. (Quelle: Stadtarchiv / 8 BA Schlesiger A5 113 1 34a)

Zumindest 1958 in Karlsruhe gesehen: Ein Veteran der Schutztruppe lässt sich bei einem Treffen des Afrika-Korps Feuer geben. (Quelle: Stadtarchiv / 8 BA Schlesiger A5 113 1 34a)

Für Mémoires Perdues suchen wir nach den Kriegsgeschichten aus Ihrer Familie – vielleicht über den Großvater, der tatsächlich irgendwo im Schwarzwald für den Krieg in den Tropen vorbereitet wurde; vielleicht hat er ja auch einen Brief geschickt oder ein Andenken aus dem Einsatz mitgebracht. Vielleicht haben Sie aber auch nur gehört, dass jemand gehört hätte, dass … Weitererzähltes und mündlich Überliefertes interessieren uns genauso wie Dokumente und andere Belege; schließlich sagt über unser Bild der Geschichte auch aus, welche Geschichten unserer Einbildungskraft dazu entspringen mögen. Schreiben Sie uns per mail an info@memoiresperdues.de – oder per Post unter dem Stichwort „Mémories Perdues“ an folgende Adresse:

Ulrike Settelmeyer

Stadt Karlsruhe Kulturbüro

Rathaus am Marktplatz

Karl-Friedrich-Str. 10

76133 Karlsruhe

Ausgewählte Geschichten oder Objekte werden wir in unserer frei erhältlichen Zeitung oder auf unserer Website präsentieren; angesichts der sehr realen Gräuel des Krieges werden wir das Material selbstverständlich nur in enger Abstimmung mit Ihnen verwenden. Auf ihre Einsendungen sind wir bereits sehr gespannt –

2 Kommentare zu “Gesucht”

  1. Raimund Volkmer schrieb …

    Mein Großvater Heinrich Adalbert Kirschstein, geb. 21.07.1878 in Löwen, Kreis Brieg, Schlesien, gest.30.12.1956 in Berlin, war vom 2.10.1897 als Dreijährig-Freiwilliger beim Dragoner-Regiment König Friedrich III.(2.Schlesisches) Nr. 8, 2.Eskadron und wurde am 24.09.1899 zur Kaiserlichen Schutztruppe für Südwestafrika versetzt, wo er an dem Bondelswart-Feldzug 1903 und den Herero- und Hottentotten-Feldzügen 1904-1907 teinahm und es bis zum etatmäßigen Vizefeldwebel brachte. Daneben war er als Militärmusiker Leiter der Schutztruppen-Kapelle.
    Am 16.10.1909 wurde er in die Heimat entlassen und war anschließend beim Fürsten Henkel-Donnersmarck Schlosskastellan auf Schloss Neudeck, Kreis Tarnowitz, Schlesien.
    Seine jüngste Tochter, meine Tante, lebt in Oerlinghausen. Sie besitzt noch Dokumente, Fotos etc. Ich habe wegen Ihres Ansuchens schon Kontakt mit ihr aufgenommen.

  2. klaus kuntz schrieb …

    ich beziehe mich auf Ihre Anzeige in der BNN.

    Mein Großvater war beim Hereroaufstand als freiwilliger in Südwestafrika.
    Einige allerdings wenige Infos, Unterlagen etc. habe ich noch.

    Bei Interesse bitte melden, werde prüfen, bin nahezu täglich in KA, sodaß Kontaktaufnahme unproblematisch.

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