Gender und Krieg

Vom Ersten Weltkrieg kennen wir zuallererst die Bilder der Soldaten in den Schützengräben, und die Namen der Generäle und Herrscher, die die Katastrophe von weitem dirigierten; selbstverständlich war es aber nicht nur ein Krieg der Männer. Für die Rahmenveranstaltung Gender und Krieg haben wir Lene Vollhardt eingeladen, künstlerische und wissenschaftliche Beiträge für einen Abend zusammenzustellen, an dem die Rolle von Geschlechtern und Geschlechtskonstruktionen im Ersten Weltkrieg – aber auch unserer Gegenwart & Zukunft – diskutiert werden wird.

22. Mai 2014, 18.00 Uhr: Das Archiv für Vage Kriege präsentiert: Registraturfragmente
Präsentation der Video-Arbeit von Lene Vollhardt, Seraphine Meya u.a. mit anschließender Diskussion (Moderation: Jacob Birken)

23. Mai 2014: „Gender und Krieg“, U-Max, 18.00-21.00 Uhr
18:00-18:30 Das Archiv für Vage Kriege präsentiert: Registraturfragmente
18:30 Dr. Eva Krivanec (Wien)
19:30 Hypermorgen (Berlin)

Zwei junge Frauen bei einer Theateraufführung, die als Spendenaktion für den Weltkriegseinsatz diente. Quelle: Museum Victoria, Melbourne

Zwei junge Frauen bei einer Theateraufführung, die als Spendenaktion für den Weltkriegseinsatz diente. Quelle: Museum Victoria, Melbourne

Lene Vollhardt, Seraphine Meya u.a.

Das Archiv für Vage Kriege präsentiert: Registraturfragmente

Otto Dix‘ „Selbstbildnis als Mars“ entstand während seiner militärischen Ausbildung – ein Jahr nach der Kriegserklärung. Dieses Bild wird in der Video-Installation des Kollektivs zu einer formalen Grundlage für einen digitalen, immersiven Raum – einem Kaleidoskop kollektiver Geschichte, in dem bestimmte Momente des Kriegs als prägend für unsere Gegenwart hervortreten.

Während heute beispielsweise in der Modewelt das Bild der toten Frau als absatzträchtige Ikone eingesetzt wird, wurden während der Versailler Verhandlungen die Gueules Cassées – entstellte Kriegsveteranen – vorgeführt, und verliehen der Vertragsunterzeichnung einen traumatischen Aspekt.

Diese Schere in der Darstellung des Todes wird zur Grundlage einer Untersuchung, in deren Verlauf die Künstlerinnen selbst Studien gemäß der Gueules Cassées vornehmen, um über die Verläufe von Repräsentation, der Fetischisierung des toten weiblichen Körpers und Genderkonstruktionsprozessen in Kriegssituationen zu berichten.

Lene Vollhardt und Seraphine Meya studieren an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe

 

Horace Nicholls: Arbeiterin beim Reinigen des Laufs einer BL 15 im Inneren des Geschützes, Coventry Ordnance works, England, United Kingdom, 1914-1918. Quelle: Imperial War Museum

Horace Nicholls: Arbeiterin beim Reinigen des Laufs einer BL 15 im Inneren des Geschützes, Coventry Ordnance works, England, United Kingdom, 1914-1918. Quelle: Imperial War Museum

Dr. Eva Krivanec (Wien/Berlin)

Grenzverschiebungen?

Genderidentitäten und Rollenbilder im Theater an der Front und an der „Heimatfront“ im Ersten Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg brachte nicht nur eine völlig neuartige, industrialisierte Kriegsführung und die Mobilisierung der gesamten Gesellschaft für den Krieg hervor, sondern führte auch zu Veränderungen im Verhältnis der Geschlechter. Diese Transformationen werden gerade auch in der kulturellen Produktion dieser Zeit sichtbar, so etwa im Theater, das auch in den Kriegsjahren ein zentraler Ort der Unterhaltung und der Freizeitgestaltung blieb, sowohl in den Großstädten, als auch – unter extremen Bedingungen – an der Front.

Dr.phil. Eva Krivanec ist Humboldt Post-Doc Fellow am Institut für Deutsche Literatur der HU Berlin mit dem Projekt „Experimentierfeld Vergnügungskultur“. 2006-2013 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin und Universitäts-Assistentin (Post-Doc) am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien. Ihre Forschungsschwerpunktes sind das Theater im Ersten Weltkrieg, die Theatergeschichte Europas im 19. und 20. Jh. und die Geschichte von Populärkultur, Metropolenkultur, Unterhaltungstheater, Moderne & Avant-Garde.

 

“Hitchcock, Helen. Woman Suffragette”.  Quelle: Library of Congress, Prints & Photographs Division, photograph by Harris & Ewing, LC-DIG-hec-04151

“Hitchcock, Helen. Woman Suffragette”. Quelle: Library of Congress, Prints & Photographs Division, photograph by Harris & Ewing, LC-DIG-hec-04151

Hypermorgen (Berlin)

Genderfragen im Krieg der Zukunft

Mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen in Kriegsführung, Technologie und Naturwissenchaften gibt die Agentur Hypermorgen Ausblicke auf sowohl dystopische wie utopische Zukünfte:

Werden Internet und augmented reality dazu beitragen, klassische Geschlechterrollen zu überwinden? Verändern sich biologische Geschlechterzusammenhänge? Wie wirken sich zukünftige Lebensbedingungen und Technologien auf die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit des Körpers aus? Verschieben sich Kompetenzbereiche aufgrund moderner Kriegsführungstechniken?

Der Vortrag soll zudem eine kurze Einführung in die Zukunftsforschung und deren Grundlagen geben (Was können wir über die Zukunft wissen? Wie können wir etwas über die Zukunft wissen?).

Im Anschluss sind die Zuhörer*Innen eingeladen, an der Gestaltung einer prototypischen Zukunft in Form eines kreativen Szenarios zum Thema mitzuwirken. Anhand dieses Szenarios kann ein Bewusstsein für künftige Entwicklungen entstehen – so lässt sich einschätzen ob diese Entwicklungen wünschenswert oder vermeidenswert sind.

Jörg Schatzmann ist Zukunftsforscher und berät mit der Agentur Hypermorgen große und mittelständische Organisationen wie die deutsche Bundeswehr, VW oder EMC. Ein Interview mit Hypermorgen finden sie auf dieser Seite.

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