Colonial Omissions

Ansicht der Deutsch-Kolonialen Jagdausstellung 1903 in Karlsruhe. Quelle: Stadtarchiv / 8_PBS_oXII_195

Ansicht der Deutsch-Kolonialen Jagdausstellung 1903 in Karlsruhe. Quelle: Stadtarchiv / 8_PBS_oXII_195

Das zweitägige Programm  Colonial Omissions im Rahmen von Mémoires Perdues möchte das komplexe Erbe des deutschen Kolonialismus erkunden. Teils vernachlässigt, teils als mindere Geschichte behandelt, sind „Kolonialphantasien“ ein wesentlicher Bestandteil der modernen deutschen Geschichte gewesen. Durch künstlerische und wissenschaftliche Beiträge hofft Colonial Omissions einen Diskussionsraum zu eröffnen, der Geschichtsschreibung, visuelle Kultur und Kulturpolitik umfasst. Der Titel Colonial Omissions verweist auf die Lücken und Auslassungen, welche die Erzählung zur Rolle der Kolonialpolitik in der deutschen Geschichte an der Schwelle zwischen 19. und 20. Jahrhundert bis heute prägen. Auch das Wort „Mission“ schwingt darin mit und deutet auf die zivilisatorischen Motive, die oftmals zumindest vordergründig die Anschaffung von Gebieten im Übersee und ihre Ernennung zu „Schutzgebieten“ begründete.

Ein symbolischer Meilenstein des kolonialen Gedankens war für Karlsruhe die 1903 hier errichtete Deutsch-Koloniale Jagdausstellung. In der für die Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft geplanten Schau waren Jagdtrophäen von Kolonialherren wie dem Gouverneur von Deutsch-Ostafrika Hermann von Wissmann sowie ethnographische Sammlungen der Firmen Umlauff und Hagenbeck (dem späteren Zirkusmacher) aus Hamburg zu sehen. Die ausgestellte „Beute“ war in einer Ausstellungsgliederung eingeordnet, welche der Raumplanung nach die Geographie der Kolonien widerspiegelte. Darunter dominierten die afrikanischen Schutzgebiete, die vom deutschen Kaiserreich im Zuge des „Wettlaufs nach Afrika“ – dessen Startschuss die Afrika-Konferenz in Berlin 1884 geboten hatte – erworben worden waren. Jagd als Thema für die Ausstellung zur Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft in Karlsruhe scheint geradezu passend, erzählt doch die Legende der Stadtgründung vom Traum des Markgrafen Karl-Wilhelm im Zuge eines Jagdausrittes im Hardtwald.

Raumplan zur Deutsch-Kolonialen Jagdausstellung 1903. Quelle: Stadtarchiv / 8_PBS_XII_36

Raumplan zur Deutsch-Kolonialen Jagdausstellung 1903.
Quelle: Stadtarchiv / 8_PBS_XII_36

Das Programm Colonial Omissions besteht aus drei Veranstaltungen und wird am 17. Mai eröffnen mit einer Ausstellung von Arbeiten von Studierenden der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karsrluhe, die sich unter anderem mit der Kolonialausstellung 1903 beschäftigt haben. Zum offiziellen Auftakt wird der Film „Lettow-Vorbeck. Der deutsch-ostafrikanische Imperativ (Christian Doermer, 1984) am Abend des 17. Mai im Studio 3 der Kinemathek vorgeführt, mit einem einführenden Vortrag durch Prof. Dr. Wolfgang Struck von der Universität Erfurt. Der Film bietet die Überleitung vom Ersten Weltkrieg – dem Thema der Europäischen Kulturtage – zur Geschichte der deutschen Kolonialherrschaft, die mit dem Versailler Vertrag ihr Ende nahm. Den dritten Block bildet der Themenabend am 18. Mai im Prinz-Max-Palais, in dem die Frage nach der postkolonialen Reflektion aus unterschiedlichen Perspektiven gestellt werden soll. Kapwani Kiwanga (Künstlerin, Paris) wird eine Lecture-Performance halten, gefolgt von Vorträgen durch Heiko Wegmann (Freiburg Postkolonial), Dr. Peter Pretsch (Stadtmuseum Karlsruhe) und Dr. Yvette Mutumba (Weltkulturenmuseum, Frankfurt).

Im Anschluss am Film in der Kinemathek und am Themenabend, sowie im Rahmen der Präsentation der studentischen Arbeiten im Prinz-Max-Palais, erhoffen wir uns eine rege Diskussion mit dem Publikum der Europäischen Kulturtage.

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