Colonial Omissions: Themenabend

Im Themenabend am 18. Mai im Prinz-Max-Palais soll die Frage nach der postkolonialen Reflektion aus unterschiedlichen Perspektiven gestellt werden: Kapwani Kiwanga (Künstlerin, Paris) wird eine Lecture-Performance halten, gefolgt von Vorträgen durch Heiko Wegmann (Freiburg Postkolonial), Dr. Peter Pretsch (Stadtmuseum Karlsruhe) und Dr. Yvette Mutumba (Weltkulturenmuseum, Frankfurt).

18. Mai 2014, 17.00–21.30 Uhr
Prinz-Max-Palais, U-Max, Eintritt frei

Monument in Lindi, Tansania. Photo: Kapwani Kiwanga

Monument in Lindi, Tansania. Photo: Kapwani Kiwanga

Kapwani Kiwanga

Maji Maji: Fragments of a Screenplay

In englischer Sprache

This performance uses documents (photographs, videos, text) created or archived during the artist’s research in Tanzania and Europe concerning the Maji Maji War in 1905. Through live reading, recorded sound, still and moving images, a narrative form appears; that of a screenplay’s fragments.

Kapwani Kiwanga wurde 1978 in Hamilton, Kanada, geboren. Sie lebt in Paris, Frankreich. Kiwanga vermischt in ihrer Arbeit Wirklichkeit und Fiktion um vorherrschende Erzählungen zu hinterfragen und einen Raum zu schaffen, in dem marginale und fantastische Handlungen gedeihen können. Kiwangas Vorliebe für mündliche Überlieferung führt sie zu einer fortwährenden Erkundung der formalen Möglichkeiten der Sprachlichkeit in ihren Performances sowie in ihren Klang- und Videoarbeiten.

 

Ansicht der Sammlung des National Museum of House and Culture, Dar es-Salaam, Tansania. Photo: Kapwani Kiwanga

Ansicht der Sammlung des National Museum of House and Culture, Dar es-Salaam, Tansania. Photo: Kapwani Kiwanga

Heiko Wegmann

Badische Perspektiven auf den Maji-Maji-Krieg. Die Berichterstattung der Freiburger Zeitung und die Kriegsbriefe des Offiziers Max Knecht

Der Maji-Maji-Krieg in Deutsch-Ostafrika 1905/06 stand im medialen Schatten des gleichzeitigen Kolonialkrieges in Deutsch-Südwestafrika, obwohl durch die angewandte “Strategie der verbrannten Erde” noch weit mehr AfrikanerInnen als dort ums Leben kamen. Die Freiburger Zeitung berichtete damals vergleichsweise viel. An ihrem Beispiel soll gezeigt werden, wie die Berichterstattung funktionierte und welche Debatten über die Gründe der Erhebung und über den Umgang damit geführt wurden. Ergänzt wird diese öffentliche Debatte durch die Perspektive von Max Knecht (1874-1954). Als Offizier nahm er am Krieg teil und berichtete vor dort in privaten Aufzeichnungen über Kampfhandlungen und Besatzung. Der Gleichgültigkeit gegenüber afrikanischen Gegnern und zivilen Opfern stehen dabei erfüllte Naturbeschreibungen gegenüber. Trotz der tiefgreifenden Gewalterfahrung stilisierte er die deutsche Herrschaft später als goldene Zeit. In Freiburg i. B. setzte er sich nach dem I. Weltkrieg an die Spitze der Kolonialbewegung und baute prokoloniale Netzwerke in Baden auf. Seine Perspektive wird kontrastiert mit selbstkritischen Tönen, die allerdings nur wenige Kolonialoffiziere wie etwa Hans Paasche äußerten.

Heiko Wegmann: geb. 1970, Studium der Sozialwissenschaften an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg. Seit 2005 Initiator und Betreiber des Forschungsprojektes www.freiburg-postkolonial.de/. Seit Ende 2012 Doktorand im Fach Politikwissenschaften an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. Thema der Dissertation: „Vom Kolonialoffizier zum SS-Standartenführer – Der Badische Kriegerführer Maximilian Knecht (1874-1954)“. Heiko Wegmann arbeitet außerdem an einem Buch über die Lokalgeschichte der „Schutzstaffel“ (SS) in Freiburg i. Br.

 

Dr. Peter Pretsch

„Früchte aus den Kolonien“. Von Tante-Emma-Läden, Jagdtrophäen und Großmachtträumen

Der Autor beschreibt anhand von Bildern aus dem Fundus des Stadtarchivs Karlsruhe, welchen Niederschlag der Kolonialismus in der städtischen Gesellschaft gefunden hat und wie er hier dargestellt wurde. Im Zentrum steht dabei die Deutsch-Koloniale Jagdausstellung, die 1903 in Karlsruhe veranstaltet wurde.

Peter Pretsch, Dr. phil., M.A., Jg. 1954, Studium der Neueren und Neuesten Geschichte, Mediävistik und Kunstgeschichte in Karlsruhe, seit 1982 Leiter des Stadtmuseums Karlsruhe, Mitarbeit bzw. Projektleitung bei Ausstellungen zur Stadtgeschichte, Veröffentlichungen zur Stadt- und Regionalgeschichte.

 

Dr. Yvette Mutumba

Das Weltkulturen Museum in Frankfurt. Zur interdisziplinären Praxis eines postethnografischen Museums

Ausgehend von der Sammlung des Weltkulturen Museums, deren Ursprung auf vielfältige Weise mit dem deutschen Kolonialismus zusammenhängt, sowie anhand der aktuellen Ausstellung „WARE & WISSEN (or the stories you wouldn’t tell a stranger)“ erläutert Yvette Mutumba, wie künstlerische Forschung und interdisziplinäre Recherche mögliche Ansätze zur Neukontextualisierung von Objekten und kontroverser historischer Themen hervorbringen können.

Dr. Yvette Mutumba ist seit März 2012 Forschungskustodin für Afrika am Weltkulturen Museum in Frankfurt am Main. Sie ist zudem Co-Initiatorin des Online-Magazins Contemporary And (C&). Mutumba studierte Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin und promovierte am Birkbeck, University of London. Sie hat zahlreiche Texte zum Thema Bildende Kunst aus afrikanischen Perspektiven veröffentlicht. Zwischen 2006 und 2012 initiierte und beriet sie Projekte in Kollaboration mit verschiedenen Institutionen wie dem Institut für Auslandsbeziehungen, dem Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart und dem Auswärtigen Amt.

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