3 Fragen an Pauline Curnier Jardin

Pauline Curnier Jardin wurde 1980 in Marseille geboren, und lebt in Paris. In Karlsruhe war eine ihrer Arbeiten 2011 in The Global Contemporary im ZKM zu sehen.

Pauline Curnier Jardin wurde 1980 in Marseille geboren, und lebt in Paris. In Karlsruhe war eine ihrer Arbeiten 2011 in „The Global Contemporary“ im ZKM zu sehen.

Welche Spuren des Krieges siehst Du in Karlsruhe?

Ich sehe in Karlsruhe Spuren des Krieges wie ich – das kann ich nicht ganz ohne Ironie sagen – Spuren des Krieges in ganz Deutschland sehe. Doch sobald diese Spuren eindeutig werden, verweisen sie immer auf den gleichen Krieg – den Zweiten – ungeachtet ihrer historischen Realität. Das ist meine persönliche Perspektive, keine gelehrte; die Projektion einer Ausländerin. Oder, um genauer zu sein: Es sind nicht die Spuren des Krieges, die ich sehe, sondern seine Auswirkungen auf Bauweisen und Architektur. Die Stile von Gebäuden, ihre Farben, die Veränderung hin zu einer gewissen Modernität oder einem Modernismus.

Was ist Dein Begriff von ‚Geschichte‘, und wie kann zeitgenössische Kunst sie vermitteln?

Tatsächlich denke ich, dass zeitgenössische Kunst ‘Geschichte’ vermittelt, insbesondere seit den 90ern. Das sehe ich in sehr vielen zeitgenössischen Ausstellungen und Arbeiten. Immer weitere „forschungsbasierte“ Kunstwerke sowie der regelmäßige Rückgriff auf Archive, Objekte und Texte weisen auf diese Tendenz hin, oder vielleicht auf dieses Bedürfnis? Das Denkmal scheint nicht das richtige Objekt zu sein, um unser Verlangen nach Geschichte zufrieden zu stellen, es ist nicht ausreichend und vermutlich ein zu kollektiver Gedanke, um unseren Appetit nach Details zu befriedigen. In meiner Arbeit greife ich recht oft auf Geschichte zurück, stelle sie aber immer unter meine eigene Ästhetik. Ich gestalte sie auf meine Weise, karnevalesk, grotesk, esoterisch, immer weit ab vom Realismus, manchmal, um einen ‚bösen Bann‘ loszuwerden (Coeurs de Silex) oder um eine Figur von meinem eigenen politischen Standpunkt aus zu feiern (Jeanne d’Arc, Hl. Bernadette).

Welche Frage zu unserem Thema würdest Du gerne am Ende des Projekts beantwortet sehen?

Ich weiß, dass wir keine Antwort finden werden. Aber meine Frage ist, wie dieses sinnlose, törichte, irre „handgemachte“ Massaker des Ersten Weltkriegs irgendwie in Kubismus, Dadaismus, Surrealismus und politische Revolutionen einfloss, und wie es ebenso das technologische zweite Gemetzel vorbereitete, eine Generation später.

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